Was tun bei beginnender Schwerhörigkeit?

Schwerhörigkeit wird auch heute noch viel zu oft als Mangel an geistiger Präsenz und Leistungsfähigkeit interpretiert, weil «hören» und «verstehen» gleich gesetzt wird. Wer schlecht hört, muss häufig nachfragen. Und häufiges Nachfragen wiederum wird häufig als Mangel an Intelligenz gewertet – im Sinne von: «Der begreift das einfach nicht».

Schwellenangst überwinden!

Das schlechte Image Schwerhöriger hält denn auch viele Betroffene davon ab, sich einen Hörschaden einzugestehen oder sich Klarheit darüber zu verschaffen, ob tatsächlich ein Hörverlust vorliegt. Dies dürfte der Hauptgrund dafür sein, weshalb von den schätzungsweise 700'000 Personen  in unserem Lande, deren Hörfähigkeit in mittlerem bis schwererem Grade beeinträchtigt ist, lediglich 20 bis 25 Prozent mit Hörgeräten versorgt sind. Mit der Angst vor dem Eingeständnis eines nachlassenden Hörvermögens tun sich jedoch die Betroffenen keinen Gefallen – letzten Endes laufen sie gar Gefahr, in eine gesellschaftliche Isolation zu geraten und den richtigen Zeitpunkt für eine Gehörrehabilitation zu verpassen. Ihnen muss deshalb der Rat gegeben werden: Machen Sie einen einfachen Selbsttest und lassen sie anschliessend Ihr Gehör von einem Fachmann prüfen.

Der Hörtest

Hörtests können sowohl bei Hals­, Nasen­, Ohrenärzten wie auch bei Hörgeräteakustikern durchgeführt werden. Die zweite Variante hat den Vorteil, dass den Betroffenen und ihren Krankenkassen daraus in der Regel keinerlei Kosten erwachsen – denn die meisten Hörgeräteakustiker führen einfache Hörtests gratis durch. Nur durch einen fachmännischen Hörtest lässt es sich feststellen, ob und in welchem Masse das Hörvermögen beeinträchtigt ist. Zugleich liefert der Hörtest Indizien dafür, welche Art der Versorgung für eine erfolgreiche Rehabilitation angemessen ist.

Je früher, desto besser

Die frühzeitige Erfassung von Hörschäden und die rechtzeitige Rehabilitation sind deshalb so wichtig, weil Körperorgane, die nicht genutzt werden, sehr rasch verkümmern: Wenn das Gehör nachlässt und immer weniger Reize ins Hörzentrum des Gehirns gelangen, so verkümmert nach und nach die Fähigkeit, diese Signale zu nutzen und richtig zu interpretieren. Wenn durch eine allzu lang hinausgezögerte Hörgeräte-Versorgung wieder Klänge wahrgenommen werden, haben die Betroffenen in der Zwischenzeit gleichsam verlernt, diese richtig zu verarbeiten. Dies kann so weit gehen, dass der neu Versorgte sich durch die wieder wahrgenommene Klangwelt gestört und verunsichert fühlt. Allgemein gilt die Regel: Je früher die Versorgung, desto besser sind die Aussichten einer raschen und guten Gewöhnung an die technischen Hörhilfen.

Der Besuch beim Ohrenarzt

Ehe der Hörgeräteakustiker eine Anpassung vornimmt, ist ein ohrenärztliches Gutachten zu erstellen. Aufgabe des behandelnden Arztes ist es, das Gehör und dessen Funktionsvermögen nach medizinischen Gesichtspunkten zu beurteilen. Auch er nimmt eine Audiometrie vor, doch dient diese – im Gegensatz zu jener des Hörgeräteakustikers – der ärztlichen Diagnose und nicht der Rehabilitation der Betroffenen. Insbesondere ist beim Besuch des Arztes abzuklären, ob die Voraussetzungen für eine Versorgung des Patienten mit Hörgeräten gegeben sind oder ob sich andere gehörverbessernde Massnahmen aufdrängen. Das ohrenärztliche Gutachten bildet zugleich die Grundlage für die Kostengutsprache der Sozialversicherungen.

Die Hörgeräte-Anpassung

Auf der Basis des ohrenärztlichen Attests (Expertisen) nimmt der Hörgeräteakustiker schliesslich die Anpassung geeigneter Geräte vor. Zu seinem Aufgabenbereich gehört im Wesentlichen die Beratung, die differenzierte Ton­ und Sprachaudiometrie, die Ohrabdrucknahme und die Anfertigung von Ohrpassstücken, die Anpassung und Nachanpassung der Hörgeräte und der Service danach.